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Das klingt! Wie Sie Ihre Stimme als Autor entwickeln

Stimme als Autor finden

Gefühle zum Ausdruck bringen, die richtigen Worte finden: Ihre innere Stimme kann Ihnen helfen, in den Schreibfluss zu kommen.

Eine Geschichte, die Lust macht, sie zu lesen, lebt nicht nur vom Inhalt. Sie braucht eine Sprache, die den Leser in sie hineinzieht. Doch gerade für Schreib-Anfänger ist es oft schwierig, ihre Erlebnisse in die passenden Worte zu packen. Das ist bei einem fiktiven Roman nicht anders als bei einer Autobiographie. Schließlich geht es immer um dasselbe: eine gute Geschichte zu erzählen.

Den Rhythmus des Textes fühlen

Es gibt Regeln für gutes Schreiben. Von einigen haben Sie sicher schon gehört oder gelesen. Und Sie bemühen sich, das Wissen umzusetzen. Aber vielleicht sind Sie dennoch unzufrieden mit dem, was Sie aufs Papier bringen. Sie haben das unbestimmte Gefühl, dass Ihre Geschichte nicht so klingt, wie sie sollte. Im schlimmsten Fall bleiben Sie nach ein paar Seiten hängen und geben frustriert auf.

Dabei waren sie mit diesem Nichtklingen bereits auf dem richtigen Weg. Ein guter Text klingt. Wie ein Lied. Der Rhythmus ändert sich, je nachdem, was sie erzählen. Längere Sätze vermitteln eher Ruhe, kürzere wirken lebhafter, abgehakte atemlos. Auch Wörter haben ihre ganz eigene Tonlage. Der Regen trommelte gegen die Scheibe, der Regen perlte von der Schreibe ab. Trommeln und perlen  jedes der beiden Verben bringt eine andere Stimmung in den Text. Allein schon durch ihren Klang. Trommeln  hart, schnell. Perlen  weich, angenehm. Der Fachbegriff dafür ist Tonalität.

Die Grundmelodie hören

Der Rhythmus passt sich also dem Geschehen an. Aber die Grundmelodie, die schwingt durch den ganzen Text. Vom Anfang bis zum Ende. Sie haucht der Geschichte erst Leben ein. Das ist die Stimme des Autors, die da erklingt.

Sie hören die Grundmelodie in jedem guten Text. Sie spüren sie durch das Geschriebene hindurch. Sie gibt Ihnen ein Gefühl dafür, wer der Mensch ist, der da seine Gedanken zu Papier gebracht hat.

Wenn Sie eine Autobiographie lesen wie etwa Greenlights des US-amerikanischen Schauspielers Matthew McConaughey, bekommen Sie natürlich noch mehr Informationen über diesen Menschen. Schließlich gewährt er Ihnen Einblicke in sein Leben und seine Überzeugungen. Aber die Grundmelodie schwingt auch in fiktiven Texten mit. Ob in der Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling, den Büchern von E.T.A. Hoffmann oder den Krimis von Andreas Gruber. Ob in Blogs im Internet oder in Zeitungsartikeln. Sie hören die Grundmelodie immer, wenn jemand von Herzen schreibt. Dann hat er ein gutes Gespür für sein Thema.

In den Schreibfluss kommen

Jeder Mensch trägt diese Grundmelodie in sich. Sie ist der Kern seiner Persönlichkeit. Mögen wir noch so viele verschiedene Stimmen in uns haben, sind doch alle miteinander verbunden.

Wenn Sie Ihre Grundmelodie in sich hören, fällt es Ihnen leichter, beim Schreiben Ihrer Autobiographie die richtigen Wörter zu finden und sie zu den passenden Sätzen zusammenzufügen, den Text fließen zu lassen. Und es gelingt Ihnen besser, die Gefühle und Stimmungen der vergangenen Ereignisse einfließen zu lassen. Sie kommen in den sogenannten Flow, alles strömt aus Ihnen heraus.

Es ist dennoch wichtig, die Regeln für gutes Schreiben zu kennen. Wie ein Komponist, der zuerst Noten und die Gesetzmäßigkeiten von Musik lernen muss. Aber wer die Regeln kennt, der weiß auch, wann er sie mal brechen kann. Der kann mit Sprache spielen und sie mit seiner Grundmelodie zum Klingen bringen.

Um ein Gespür für Ihre Grundmelodie zu bekommen, müssen Sie sich jedoch nicht zuerst mit den Regeln beschäftigen. Fürs Erste reicht es, wenn Sie folgendes im Hinterkopf behalten:

„Was immer du schreibst  schreibe kurz und sie werden es lesen, schreibe klar und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft und sie werden es behalten.“

Joseph Pulitzer (1847 bis 1911, Journalist, Herausgeber, Zeitungsverleger)

Das ist die Essenz aller Schreibregeln. Sie gelten nicht nur für journalistisches Schreiben, sondern auch für fiktives und autobiographisches.

In sich hineinspüren

Was können Sie nun tun, um Ihre Grundmelodie zu hören?

Da Sie Ihre Stimme als Autor entwickeln wollen: schreiben.

Aber: Es ist wichtig zu verstehen, dass die Grundmelodie immer in Ihnen ist. Sie schwingt in jeder Ihrer Handlungen, Entscheidungen, Gedanken und Gefühle mit. Sie ist schließlich das Herz, das Sie durchs Leben schlägt. Und deshalb können Sie sich auf verschiedene Art und Weise bewusst machen  und dann mit ins Schreiben nehmen.

Wir sind nicht nur denkende Wesen, wir sind auch fühlende Wesen. Wir spüren die Stimmungen in unserem Körper. Angst und Wut lassen unsere Muskeln anspannen. Freude weitet uns das Herz. Egal, welcher Weg Sie zu Ihrer Grundmelodie führt, er geht über das Hineinspüren in Ihren Körper. Fragen Sie sich also bei den Übungen, die ich Ihnen vorschlage, immer: Was fühle ich gerade? Wo fühle ich es?

  • Hören Sie Ihre Lieblingsmusik. Was löst sie in Ihnen aus? Warum ziehen Sie gerade diese Lieder an? Sie sollen keine rationale Antworten darauf finden, sondern in sich hineinhören und spüren, welche Saiten die Klänge in Ihnen anschlagen.
  • Kochen Sie gerne? Bereiten Sie Ihr Lieblingsgericht zu. Achten Sie darauf, wie Sie die Zutaten vorbereiten. Das Gemüse schnippeln. Wie das Öl in der Pfanne zischt. Wie sich alles vereint und schließlich auf dem Teller landet. Wie es schmeckt.
  • Wie laufen Sie? Wie üblich die Treppe hinunter. Aus dem Haus. Auf die Straße. Gehen Sie anders zur Arbeit als zu Freunden? Bekommen Sie ein Gefühl für Ihren Gang.
  • Wie kuscheln Sie mit Ihrem Partner? Wie küssen Sie ihn? Und wenn Sie nun ein Lied summen müssten: Wie würde es klingen?
  • Wie diskutieren Sie über Themen? Die Ihnen am Herzen liegen? Die Sie wütend machen? Über die Sie beruflich reden müssen? Wie ist Ihr Grundton?
  • Was lesen Sie gerne? Welche Autoren bevorzugen Sie? Bei welchen fühlen Sie sich wohl, mag die Geschichte auch noch so aufwühlend sein. Wobei ich bei dieser Übung immer zur Vorsicht rate. Gerade Anfänger können der Versuchung erliegen, den Stil des Anderen zu kopieren.

Das sind nur einige Beispiele, wie Sie einen Zugang zu Ihrer Grundmelodie finden. So einzigartig wie jeder Mensch, so unterschiedlich klingt jeder, so individuell sind die Wege.

Und dann schreiben

Wenn Sie während einer Übung die Stimmung in Ihnen eingefangen haben, setzen Sie sich hin und schreiben Sie. Lassen Sie dabei alles los. Ihren Plan, Ihr Leben in Worte zu fassen. Ihren Ehrgeiz, gut zu schreiben. Ihre Angst, es nicht zu schaffen. Und wie war das noch mal mit den Regeln? Vergessen Sie alles. Schieben Sie die Kritiker und Kleinredner in sich beiseite. Hören Sie nur in sich hinein und beschreiben Sie irgendetwas. Was Ihnen gerade in den Sinn kommt. Das kann ein Ereignis sein, das Sie unbedingt in Ihrer Autobiographie bringen wollen. Das kann aber auch eine Szene aus Ihrem Berufsalltag sein. Oder eine Beschreibung, wie Ihr Hund Mäuse fängt. Zehn Minuten. 20 Minuten. So lange es sich gut und richtig für Sie anfühlt.

Sie werden vermutlich nicht gleich nach dem ersten Versuch jubeln. Auch nicht nach dem zweiten. Aber mit der Zeit werden Ihre Texte nach Ihnen klingen. In Ihrer Grundmelodie. Sicher nicht jedes Mal, wenn Sie an Ihrer Autobiographie arbeiten. Wir sind Menschen. Schlechte Tage gibt es immer. Es sind die guten, die wir nicht vergessen sollten.

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… rund um das Thema Autobiographie und Schreiben finden Sie in meinem Blog.

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