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Erklärt: die Autobiographie und fünf verwandte Formen

Autobiographie schreiben Formen

Wer von seinem Leben erzählen will, der schreibt eine Autobiographie. Stimmt – nicht immer. Ich zeige Ihnen, welche Formen des autobiographischen Schreibens es gibt. Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie eine neue Möglichkeit, Ihre Geschichte(n) zu erzählen.

Falsch ist es natürlich nie, von einer Autobiographie zu sprechen. Im Alltag ist es das gängige Wort. Es passt ja auch. Der Begriff Autobiographie setzt sich aus drei altgriechischen Wörtern zusammen: autós – selbst, bíos – Leben, gráphein – schreiben. Geben Sie beispielsweise bei Amazon „Autobiographie“ ein, bekommen Sie mehr als 30.000 Ergebnisse. Und in all diesen Bücher erzählen Menschen über ihr Leben. Aber streng genommen passt nicht jedes Buch in diese Kategorie. Und manche Geschichte taucht nicht einmal in dieser Rubrik auf.

1. Autobiographisches Scheiben – der gemeinsame Nenner

Keiner kommt „fertig“ auf diese Welt. Jeder bringt etwas mit, das geformt wird. Durch Menschen. Durch Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie (mit ihnen) sammeln. Daraus werden Erinnerungen, bewusste und unbewusste, die Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg begleiten und mehr oder weniger beeinflussen. 

2. Die Autobiographie – von der Geburt bis…

Wie wurde ein Mensch zu demjenigen, der er ist? Was hat ihn geprägt? Welche Erkenntnisse hat er gewonnen? Welches Lebensbereiche haben ihn besonders beschäftigt? Was hat ihn geprägt? Was begeistert? Was enttäuscht? Welche Überzeugungen hat er entwickelt? Antworten auf solche Fragen finden Sie in einer Autobiographie.

Der Autor erzählt seine Geschichte chronologisch – wie das bei jeder Form in der Regel der Fall ist. Nur beginnt eine Autobiographie immer am Anfang, bei der Geburt, und geht dann weiter über Kindheit und Jugend bis heute. Damit er unterwegs nicht den Weg verlieren, muss er sich über den Richtungsgeber im Klaren sein. Was leitet ihn durch sein Leben? Was ist ihm von Herzen wichtig? Mit diesem Kompass in der Hand werden die Stationen entlang der Zeitlinie angesteuert. 

Wann die beste Zeit ist, eine Autobiographie zu schreiben – nun, das entscheidet jeder für sich. Manch einer wartet bis er die 60, 70, 80 überschritten hat. Eine andere empfindet um die 40 herum, dass ihre Geschichte erzählt werden muss. Zurückzublicken bedeutet Bilanz zu ziehen, sich die Momente bis zum Jetzt noch einmal anzuschauen. Das ist keine Frage des Alters, sondern des Lebens.

3. Die Memoiren – wenn Zeitzeugen erzählen

Im Unterschied zur Autobiographie geht es bei Memoiren nicht um die Entwicklung eines Menschen, sondern um Zeitgeschichte. Um ein Stück politischen oder kulturellen Lebens, das für ein breites Publikum interessant ist und in dem der Autor eine wichtige Rolle gespielt hat.

Er war bei herausragenden Ereignissen dabei. Er traf bekannte Persönlichkeiten. Meist im Plauderton schildert er seine Erlebnisse und Einsichten, erzählt Anekdoten und ermöglicht damit den Lesern einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Sein Leben davor nimmt in der Regel einen kleinen Raum ein. Der Fokus liegt auf dem Stück Zeitgeschichte und ihren Hauptfiguren.

Prominente Politiker und Künstler schreiben Memoiren. Aber der Autor muss nicht gleich Bundeskanzler oder ein großer Star sein. Auch auf regionaler Ebene gibt es Menschen, die das öffentliche Leben entscheidend geprägt haben und die ebenfalls ihren Leserkreis finden.

4. Das Memoir – wenn einem das Schicksal beutelt

In deutschen Ohren mag „das Memoir“ (noch) seltsam klingen, aber es ist eine Form des autobiographischen Schreibens. In Buchhandlungen finden sich Memoirs auch schon mal in der Rubrik „Psychologie & Hilfe“, bei den Ratgebern oder den Reiseberichten.

Damit deutet sich schon an, worum es geht: Ein Mensch hat etwas Außergewöhnliches erlebt oder kann über einen Abschnitt aus seinem Leben außergewöhnlich gut erzählen. Aber er beschreibt nicht seine ganze Geschichte wie bei der Autobiographie und auch nicht ein Stück Zeitgeschichte wie bei Memoiren. Sondern im Mittelpunkt steht ein Wendepunkt im Leben des Autors, sein Umgang damit, seine Gefühle, Annahmen, Schlussfolgerungen.

Eine Heldenreise, wie sie jeder erleben kann. Ob ein prominenter Zeitgenosse oder ein Mensch, mit dem Sie Tür an Tür leben. Eine Heldenreise, die den Lesern Mut machen und neue Einsichten liefern kann.

Die Themen sind grenzenlos. Zum Glauben finden. Von der Unternehmensspitze in den Urwald. Eine schwere Krankheit – die eigene oder die eines nahestehenden Menschen. Missbrauch. Unfälle. Heirat in eine andere Kultur. Vom Hartz-4-Kind über Knast-Aufenthalte zum Sozialarbeiter… Selbst der viel bewanderten Jakobusweg kann über ein einzigartiges (Er)Leben neu erschlossen werden.

Denn: Es geht zwar um Fakten. Aber letztlich wird eine gute Geschichte gut erzählt. Und dazu bedienen sich Memoirs bei den Stilmitteln der fiktiven Literatur.

5. Lebensbilder – Stationen im Schlaglicht

Wer nicht in seine Gefühls- und Gedankentiefen hinabsteigen will und kein Thema oder keine Botschaft für seine Geschichte benötigt, der bedient sich der Lebensbilder. In dieser Form des autobiographischen Schreibens werden die wichtigen Erlebnisse und Ereignisse beschrieben.

Wo ist der Autor aufgewachsen? Welche Schule besuchte er? Welchen Beruf wählte er? Wer waren seine Ehepartner? Phase um Phase wird wie an einer Perlenschnur chronologisch aneinandergereiht. Dabei geht es mehr um belegbare Fakten und weniger Einsichten und Erklärungen.

Lebensbilder sind für einen kleinen privaten Leserkreis. Sie entstehen zumeist im reiferen Alter. Mit Zeugnissen, Fotos und ähnlichen Dokumentationen angereichert sind sie eine wunderschöne Übersicht für sich selber und seine Lieben.

6. Lebenserinnerungen – kostbare Juwelen

Manchmal sind es nur wenige Erlebnisse, die ein Autor erzählen will. Kleine Kostbarkeiten, die er aus der Schatztruhe seines Lebens bergen will. Das können ganz unterschiedliche Etappen auf seinem Lebensweg sein, die wenig oder nichts miteinander zu tun haben. Oder es kann sogar nur ein Juwel sein wie die Weltreise, auf der er die Liebe seines Lebens traf.

Dafür bieten sich Lebenserinnerungen an. Sie sind nicht so sachlich wie die Lebensbilder, nicht so weitschweifend wie das Memoir und nicht so allumfassend wie eine Autobiographie. Aber sie lassen dennoch viel Raum, um den Dingen auf den Grund zu gehen und sie in die Richtung auszuloten, die einem wichtig ist.

7. Die Chronik – Höhepunkte in Jahren

Geschichtliche Ereignisse, übersichtlich geordnet nach Jahren – das ist der Inhalt einer Chronik. Für Vereine, Firmen und Organisationen ist sie der Klassiker, wenn ein Jubiläum ansteht. Doch auch Familien können diese Form des autobiographischen Schreibens nutzen, um das Leben mehrerer Generationen aufzuzeichnen.

Eine Chronik erzählt von Fakten, gerne garniert mit Zahlen. Aber sie kann auch mit Gefühl gestaltet sein. Wenn die ältesten Vereinsmitglieder von ihrer Zeit erzählen und die jüngsten ihre Begeisterung zum Ausdruck bringen. Wenn der Firmenchef von schlaflosen Nächten und Freudenjubel berichtet. Solche Einsprengsel verleihen einer Chronik eine ganz besondere Würze. Wenn sich die Familie an gemeinsame Erlebnisse erinnert, die sie prägten.

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